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Pressespiegel

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„Flucht“ lautete die Überschrift für eine ungewöhnliche Theater- und Tanzperformance, die heute in den Räumen des Kulturzentrums „kreuzer“ der Evangelischen Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim stattfand: Neun Jugendliche aus sechs Nationen hatten das hochaktuelle Thema unter professioneller Anleitung in beeindruckende und nachdenklich stimmende Sequenzen und Bilder umgesetzt. Fluchtgeschichten damals und heute: […] Gleich zu Beginn bellt ein Maschinengewehr, in rascher Folge sind Detonationen zu hören. Leiber stürzen übereinander, Menschen fliehen, werden doch getroffen. […]
Ali Rifai, Enes Tekin, Jacqueline Sieloff, Karolina Koletzko, Marcel Pietzka, Riven Wakilla, Rosa Koku, Ruken Durmus, Ting-Ting Wang: Sie spielen und tanzen Fluchtgeschichten. Sie nehmen die Zuschauer mit auf den Weg über die Grenze, über das Meer. Immer in der Angst, durch die Küstenwache entdeckt zu werden. Angekommen, müssen sie sich so gut einrichten wie es geht. Dabei wird schnell deutlich: Ihre Wünsche und Hoffnungen unterscheiden sich kaum von denen der übrigen Bevölkerung. Es sind Sehnsüchte nach einer guten Ausbildung, nach dem Traumberuf, nach Familie und nach Kindern. Was sie von den anderen unterscheidet, ist der Schmerz, den sie empfinden, wenn die Erinnerung sie überfällt: An das Haus in Bagdad, an Feste und Feiern daheim, an die Eltern, die zurückgelassen oder vielleicht sogar getötet wurden. Und sie machen die brutale Angst deutlich, unter der sie tagtäglich leiden: Angst davor, krank zu werden und nicht zum normalen Arzt gehen zu können. Angst vor Gewalt, vor Ablehnung, vor den Vorurteilen.
Nur zaghaft entwickelt sich Solidarität, gibt es neue Freundschaften, ja Liebe… Unter diesen Bedingungen erscheint schon eine Reise nach Berlin wie ein Besuch im Paradies – einmal frei sein und für einige Stunden die Luft der großen Einkaufswelt genießen, wie es doch alle so gerne wollen. Ob die Fluchtgeschichten des Zweiten Weltkriegs sich davon wirklich so gravierend unterscheiden? Leider vergessen die Menschen häufig allzu schnell… Das Ende ist schnell erzählt. Während des Aufenthaltes in Berlin lässt sich einer mit Drogen erwischen. Er reißt die ganze Familie mit, die abgeschoben wird. Nachts kommt die Polizei – und von allen Träumen bleiben zwanzig Kilogramm pro Person, die mitgenommen werden dürfen, und eine neue Fluchtgeschichte beginnt. [Ekir, 26.01.2011]

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